Künstliche Intelligenz offenbart große Mängel bei der Nachrichtenqualität – fast jede 2. Antwort ist falsch
Oktober 2025 – In der digitalen Informationsgesellschaft gewinnen KI-Systeme als Hilfsmittel zur Nachrichtenaufbereitung zunehmend an Bedeutung. Doch eine aktuelle Studie zeigt: Bei der Verarbeitung und Wiedergabe von Nachrichteninhalten durch KI bestehen erhebliche Defizite – mit weitreichenden Konsequenzen für Informationsverarbeitung und Medienkompetenz.
1. Über die EBU-Studie
Die Untersuchung baut auf einer BBC-Studie vom Februar 2025 auf und bestätigt, dass die Probleme bei KI-generierten Nachrichteninhalten systematisch und international verbreitet sind. Hier
Die Studie wurde im Rahmen der EBU News Assembly (EBU = Europäische Rundfunkunion, Zusammenschluss von Rundfunkanstalten) in Neapel vorgestellt (22. bis 23. Oktober). Beteiligt waren 22 öffentlich-rechtliche Medienorganisationen aus 18 Ländern in 14 Sprachen). Über 3.000 KI-Antworten der KI-Assistenten ChatGPT, Copilot, Gemini und Perplexity wurden von Journalistinnen und Journalisten anhand zentraler Kriterien, darunter Genauigkeit, Quellenangaben, Unterscheidung zwischen Meinung und Fakten sowie Bereitstellung von Kontext, geprüft. (Quelle: Presseportal)
2. Fehlerhaftigkeit von KI-Antworten
Die umfassende Studie der Europäische Rundfunkunion (EBU) unter Beteiligung von öffentlich-rechtlichen Sendern wie ARD und ZDF ergab, dass bei 45 % aller untersuchten Antworten von KI-Assistenten mindestens ein erheblicher Fehler vorliegt. (Quelle: Presseportal)
Die Studie mit dem Titel “News Integrity in AI Assistants” analysierte über 3 000 Antworten internationaler KI-Systeme. (Quelle: Presseportal)
Hinzu kommen etwa 20 % der Fälle, in denen Inhalte ungenau, veraltet oder auf Halluzinationen basieren. (Quelle: Presseportal)
Ebenso wurde festgestellt, dass 31 % der Antworten massive Mängel bei der Quellenangabe aufwiesen.
Eine begleitende Analyse ergab: In über 56 % der Fälle verwiesen Chatbots auf falsche Quellen oder machten Medienbehauptungen, die so nicht getätigt wurden. (Quelle: ZDFheute)
Damit lässt sich festhalten: KI-Systeme sind derzeit bei Nachrichteninhalten keine verlässlichen eigenständigen Quellen.
Report: https://www.ebu.ch/Report/MIS-BBC/NI_AI_2025.pdf
Toolkit: https://www.ebu.ch/Toolkit/MIS-BBC/NI_AI_2025.pdf
2. Ursachen und Wirkmuster
Warum kommt es zu diesen Schwächen? Die Untersuchungen führen mehrere Ursachen auf:
- Quellenproblematik: Häufig fehlen nachvollziehbare oder korrekte Quellenangaben – oder Quellen werden falsch attribuiert. (Quelle: ZDFheute)
- Faktenschwächen und Veralterung: KI-Assistenten greifen zum Teil auf veraltete Informationen zurück oder generieren Inhalte, die keine belastbare Faktenbasis haben. (Quelle: Presseportal)
- Kontext- und Trennschwächen: Die Differenzierung zwischen Meinung und Fakt sowie die Einordnung von Ereignissen gelingt oftmals nicht zuverlässig. (Quelle: mobiFlip)
- Breite Verbreitung des Problems: Die Defizite zeigen sich länder-, sprach- und plattformübergreifend – sie sind kein Randphänomen. (Quelle: Presseportal)
Besonders auffällig ist: Trotz zunehmender Verbreitung von KI-Tools als Informationsquelle bleibt die Kontrolle und Qualitätssicherung durch menschliche Akteure unverzichtbar.
3. Methodik der Studie im Überblick
Die EBU-Studie untersuchte verschiedene KI-Assistenten wie etwa ChatGPT von OpenAI, Copilot von Microsoft, Gemini von Google sowie Perplexity. (Quelle: ZDFheute)
Die Antworten wurden anonymisiert abgefragt und von Journalistinnen und Journalisten anhand folgender Kriterien bewertet:
- Genauigkeit der Fakten
- Qualität der Quellenangabe
- Darstellung von Kontext und Einordnung
- Trennung von Fakten und Meinungen
(Quelle: ZDFheute)
Die Untersuchungen zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Systemen hinsichtlich der Fehlerquote – vielmehr handelt es sich um ein systemisches Phänomen.
4. Implikationen für die Informationsgesellschaft
Die ermittelten Befunde haben mehrere wichtige Auswirkungen:
- Vertrauensverlust in automatisierte Informationsquellen: Nutzerinnen und Nutzer, die sich auf KI-Assistenten zur Nachrichtenaufnahme verlassen, laufen Gefahr, falsche oder verzerrte Informationen zu erhalten.
- Notwendigkeit von Medien- und Informationskompetenz: Angesichts der Fehleranfälligkeit von KI-Antworten wird es umso wichtiger, Inhalte kritisch zu prüfen – insbesondere Quellen, Kontext und Hintergründe zu beachten.
- Rolle des traditionellen Journalismus bleibt wichtig: Die Studie unterstreicht, dass die journalistische Sorgfaltspflicht und redaktionelle Kontrolle nicht durch automatisierte Systeme ersetzt werden können. (Quelle: ZDFheute)
- Regulatorische und strukturelle Herausforderungen: Die EBU fordert eine konsequente Umsetzung bestehender Gesetze zur Informationsintegrität sowie eine unabhängige, fortlaufende Überwachung von KI-Assistenten. (Quelle: Presseportal)
5. Ausblick und Empfehlungen
Die Veröffentlichung eines „Toolkit zur Genauigkeit bei KI-Assistenten“ durch die EBU zeigt, dass hier Handlungsschritte notwendig sind. (Quelle: Presseportal) Zu den Schlüsselelementen zählen:
- Entwicklung von Richtlinien für den Umgang mit Quellen- und Kontextangaben in KI-Antworten
- Förderung der Transparenz, wann KI-Systeme eingesetzt werden und mit welchen Daten
- Stärkung der Aufklärung über die Grenzen und Risiken von KI-gestützten Informationsangeboten
- Einrichtung unabhängiger Prüfmechanismen für KI-Assistenten
Für Medienanbieter, KI-Entwickler und Nutzerinnen und Nutzer gilt: Automatisierte Systeme können unterstützen, aber nicht die alleinige Grundlage für verlässliche Informationsvermittlung sein.
Fazit
Die aktuelle Untersuchung der EBU macht deutlich, dass fast jede zweite Antwort von KI-Assistenten im Nachrichtenkontext gravierende Mängel aufweist. Fehler bei Fakten, unsaubere Quellenangaben und fehlender Kontext sind keine Einzelfälle mehr. In der Folge wächst die Bedeutung von kritischem Informationsumgang sowie von Strukturen, die Qualität und Verlässlichkeit von KI-generierten Informationen sichern. KI bleibt damit eine vielversprechende Technologie – aber keine Ersatzlösung für fundierten Journalismus und informierte Nutzerentscheidungen.